January 26, 2016

Der Mann, der die Wüste aufhielt

Der Mann, der die Wüste aufhielt

Yacouba-Sawadogo-300x147Die industrielle Landwirtschaft verwüstet, zerstört nicht nur in Europa die Böden, sondern auch in Afrika. Ein Mann begann vor fast 50 Jahren einfach Bäume und Hirse zu pflanzen und hat damit die Wüste besiegt, allein mit seiner Hacke und Jahrhunderte alten Methoden. Er entlarvte die scheinheilige und zerstörerische Entwicklungshilfe und lehrt die Menschen der Sahelzone, wie sie den Hunger und die Wüste besiegen können – nachhaltig.

Entwicklungshelfer aus Europa zerstörten die Böden, ließen die Wüste wachsen

Yacouba Sawadogo heißt der Mann, der stets mit einem Lächeln und dem uralten Stolz eines Afrikaners alle Angriffe und Demütigungen übersah, sich niemals wehrte, auch wenn seine der Wüste abgerungenen Felder und Wälder angezündet wurden oder Landvermesser kamen und ihm das Land stahlen, das zuvor niemand haben wollte. Er nimmt stets seine Hacke, zieht ein Stückchen weiter und beginnt wieder Löcher in den ausgetrockneten, harten Wüstenboden zu hacken, auch jetzt noch mit 70 Jahren. Er macht dies seit fast 50 Jahren, seitdem die Entwicklungshelfer, die mit den Methoden der industriellen Landwirtschaft, mit Kunstdüngern und Bewässerungsanlagen die ausgemergelten Böden in Burkina Fasos Norden, am Rand der Sahelzone, völlig zerstörten und den Grundwasserspiegel noch weiter absenkten.

Hier zeigte sich am deutlichsten, wie unsinnig die Industriealisierung von natürlichen Prozessen ist. Sie verbrennt Geld und die Böden, vergiftet das Wasser und vergrößert den Hunger auf der Welt. Die Chemiekonzerne und Maschinenhersteller machen damit Gewinne.

Der Analphabet Yacouba konnte das Unglück nicht länger mit ansehen, nahm seine Hacke und zog in die Wüste. Dort hackte er in den harten roten Boden Löcher, die größer und tiefer waren, als die Löcher, die die Bauern früher gehackt hatten. Er legte die Samen tief in die unten weichere Erde und bedeckte sie mit Tierexkrementen, Blättern und Stroh und deckte viel Erde darüber, die die Pflanzung vor der Hitze schützt, Darum legte er Kränze aus Steinen, die das Wasser daran hindern sollten, sofort wieder abzufließen, denn er pflanzte vor der Regenzeit und nicht – wie sonst üblich – danach. Schon im ersten Jahr konnte er seine Familie mit seiner Ernte ernähren. Im nächsten Jahr konnte er sogar seine Überschüsse an hungernde Familien abgeben.

Wälder wo sonst nur Wüste war

Um seine Pflanzen zu schützen, das Wasser zu halten, dem Boden Schatten zu geben und um Medizin machen zu können, pflanzte Yacouba ganze Wälder, Baum für Baum in der Wüste. Die Wälder sorgten dafür, dass der Grundwasserspiegel wieder anstieg und der Boden zu Humus wurde, voller kleinster Tiere, die ihn locker machen für seine Nutzpflanzen. Die anderen Kleinbauern in seinem Dorf und mittlerweile tausende Bauern in Burkina Faso kamen zu Yacouba und ließen sich zeigen, wie er nur mit seiner einfachen Hacke hunderte Hektar wieder zu fruchtbarem Boden gemacht hatte und immer ernten konnte, auch wenn an anderen Stellen wieder einmal der Hunger eingekehrt war, weil die mit den modernen Methoden beackerten Flächen vertrockneten, die Ernte ausblieb. Sie ließen ihre Entwicklungshelfer stehen und beackerten ihre kleinen Flächen, wie vor tausend Jahren, nur vor der Regenzeit und hatten fortan genügend zu essen.

Die Europäer mussten zugeben, dass ihre Methoden falsch waren, dass sie zu überheblich das alte Wissen abgetan hatten. Sie hatten die Geschichte dieses Kontinents ignoriert, die Geschichte jahrhundertlanger Monokulturen in Plantagen der Kolonialzeit, vergessen, dass sie mit Baumwollfeldern und ihrer ignoranten Art der Bodenbearbeitung diesen zerstört hatten. Baumwolle konnten die Menschen auch nicht essen und die Gewinne machten die Konzerne in Übersee.

Am Ende kam die Wüste und mit ihr der Hunger.

Die Fachleute hatten Yacouba für verrückt erklärt

Yacouba, der Analphabet wusste nichts von Lebensmittelmärkten, von den Problemen der Bauern in Übersee, von Nahrungsmittelkonzernen, die die Welt beherrschen. Er sah nur den toten Boden und den Hunger seiner Familie und der Menschen im Dorf. Also hatte er seine Hacke genommen und Löcher in den Boden gehackt. Nun ernährt der Boden, den er der Wüste abgerungen hat 2,5 Millionen Menschen. Die westlichen Konzerne verdienen dabei keinen Cent, das ist für diese bitter. Bisher war – und ist leider immer noch – die Entwicklungshilfe für die Chemiekonzerne, die Nahrungsmittelkonzerne und die Spekulanten eine kalkulierbare Größe gewesen, eine sichere Einnahmequelle. Sie verdienten am Hunger Afrikas. Nun hat Yacouba und mit ihm inzwischen fast eine Million Kleinbauern diese Quelle trocken gelegt und begonnen, die Sahelzone fruchtbar zu machen. Der Mann, den sie lange für verrückt erklärt haben, hat sie ignoriert, ihre Anfeindungen über sich ergehen lassen und stoisch weiter den Boden aufgehackt. Jetzt kommen nicht nur die Afrikaner zu ihm, sondern auch – unabhängige – Fachleute aus Übersee, nun war er sogar in New York bei der UN, hat Ban Ki Moon getroffen und den Menschen bei der UN seine Geschichte erzählt, wie er seinen ersten Wald pflanzte mit 60 verschiedenen Bäumen auf 30 Hektar Wüste. Vielleicht merken die Menschen in den Industrieländern, dass sie eigentlich die Verrückten sind, die mit ihrem maßlosen Egoismus die Welt zerstören.

Yacouba lächelt, nimmt seine Hacke und geht in die Wüste, um Löcher zu hacken.

Zuletzt will er eine Apotheke bauen, für seine Heilmittel

Yacouba ist 70. Er ist alt geworden und müde. Inzwischen hacken seine Söhne Löcher in die Wüste und viele tausend, ja Millionen Kleinbauern in Afrika. Sie alle ernten nun dreimal so viel, wie ein Großbauer mit der industriellen Methode auf der gleichen Fläche. Sie ernähren ihre Familien und viele andere mit, auch in den Jahren, in denen die Felder der Großbauern wieder einmal austrocknen und diese hungern müssen.

Yacouba lächelt nur und macht nun auch Medizin aus den Früchten und der Rinde der vielen Bäume in seinem Wald. Er kennt die Jahrtausende alten Rezepte, aus den Geschichten seiner Väter, denn er kann selbst nicht lesen. Er ist immer gesund und stark gewesen, wie auch seine 60 köpfige Familie. Er möchte den anderen Menschen im Dorf auch helfen, gesund zu bleiben, umsonst. Für seine Medizin will er kein Geld, er hält das für unredlich.

Ein Heiliger? Nein, ein freier Mensch.

Yacouba wurde nicht vergiftet von den Irrlehren der Weißen, konnte sie nicht lernen, weil er die Schule verließ ohne lesen gelernt zu haben. Ein Scheich hatte ihm damals aber prophezeit, dass er einmal ein großer Mann sein werde, ein Mann der seinem Volk helfen, es retten werde, ein Held. Yacouba ist zu bescheiden dafür, ist einfach nur menschlich.

Es gibt inzwischen Filme über den Mann, der die Wüste aufhielt, die überall auf der Welt gezeigt werden. Es ist zu hoffen, dass das Beispiel dieses einfachen Mannes den Wahnsinn aufhält. Den Wahnsinn der Menschen in Übersee, die ihre Welt zerstören und die Yacouba dann, mit seiner Hacke wieder retten muss.

Quelle: DIE ZEIT No. 49 vom 29. November 2012, Seite 17-19.

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